Du selbst sein –
in Verbindung mit Dir und Deinem Höheren Selbst

Was bedeutet eigentlich “Du selbst sein”?

"Sei Du selbst!" oder sogar "Sei doch einfach Du selbst!" ist eine häufig gebrauchte Aufforderung oder Redewendung. Aber was ist damit genau gemeint? Dies möchte ich im Folgenden aus meiner Sicht erläutern. Wenn ein Mensch ganz er selbst ist, können andere Menschen, dies meist spüren und es mehr oder weniger bewusst wahrnehmen. Ein Mensch, der "bei sich ist", ist mit sich selbst im Einklang. Dieser Einklang zeigt sich als Harmonie zwischen innerem Erleben und äußerem Ausdruck - als Kongruenz von Denken, Fühlen sowie Sprechen und Handeln.

Ein Mensch, der auf diese Weise “er selbst ist” erlebt häufig positive Gefühle, wie Freude, Ausgeglichenheit oder Begeisterung und verfügt über einen leichten Zugang zu Seinszuständen, die jenseits von Gefühlen auf einer tieferen Ebene angesiedelt sind. Dies sind Erfahrungen von Präsenz, innerem Frieden, Einheit und anderen, die mit Worten schwierig beschreibbar sind. Wenn wir Zugang zur Seinsebene haben, sind wir auch empfänglich für die Impuse unseres Höheren Selbst. Das Höhere Selbst ist ohnehin untrennbar mit uns verbunden und kommuniziert stets mit uns, in dem es uns über unsere Gefühle und inneren Zustände wissen lässst, ob wir unserem höheren Weg folgen.

Ist unserer innerer Zustand häufig geprägt von Freude, Begeisterung, dem Gefühl im Fluss zu sein oder auch inneren Frieden und Ruhe zu genießen, folger wir unserem höheren Weg, das heißt wir leben unser Leben überwiegend so, wie es uns individuell wirklich entspricht. Da wir auf diesem höheren Weg naturgemäß auch auf Widerstände und Blockaden im Innen und Außen stoßen, sind unangenehme Gefühle von Unbehagen, Angst vor Veränderung oder Durchleben von Traurigkeit, innerer Unruhe, von Widerständen und Ängsten kein grundsätzliches Anzeichen dafür, dass wir den höheren Weg verlassen haben. Im Gegenteil, die Überwindung oder Transformation von Widerständen und blockierenden Gefühlen sind ein sicheres Zeichen dafür, dass wir unserem höheren Weg folgen. Wenn wir auch unangehnehmes bewusst fühlen, können sich Blockaden auflösen und wir werden auf unserem Weg eine neue Qualität der Erfüllung und Entfaltung erfahren. Halten die negativen Gefühle jedoch über längere Zeit an, ohne dass wir uns in irgendeiner Form leichter oder erfüllter fühlen, hängen wir in der Blockade und im Widerstand fest, was bedeutet, dass wir unseren höheren Weg verlassen haben oder gerade nicht dorthin zurückfinden können.

Was bedeutet “Du selbst sein” nicht?

Ein Mensch, der im beschriebenen Sinne er selbst ist, wird nicht zwangsläufig alles auszudrücken oder in Worte fassen, was ihn gerade bewegt. Der gängige Anspruch "authentisch zu sein" kann auch missverstanden werden. Nicht jeder, der seinen Ärger ausdrückt, ist dabei wirklich in Kontakt mit sich selbst. Natürlich kann auch das Gegenteil zutreffen und manchmal ist es besser, sich "Luft zu machen" als gar nichts zu sagen. Das mag notwendig und auch heilsam sein, bedeutet aber noch nicht unbedingt, dass hier jemand bereits im oben beschriebenen Sinne "er selbst ist". Es könnte jedoch eine notwendige Zwischenstufe auf dem Weg zu uns selbst sein, wenn zuvor Gefühle unterdrückt wurden und zuviel “heruntergeschluckt” wurde. Das gewohnheitsmäßige Ausdrücken von Ärger, Kritik und Beschwerden gegenüber anderen oder dauerndes Klagen über alles was schwierig ist, sind allerdings damit nicht gemeint und führen uns nicht auf den Weg zu uns selbst.

Es ist hilfreich, die entwicklungsförderlichen und lebensbejahenden Impulse des Höheren Selbst von den Impulsen der inneren Persönlichkeitsanteile, die nicht integriert und geheilt sind, zu unterscheiden. Die Impulse der nicht integrierten Persönlichkeitsanteile zeigen sich häufig verbunden mit Gefühlen von Angst, übertriebenem Kontrollbedürfnis und fordern uns zum sofortigen Handeln auf. Das Höhere Selbst kommuniziert mit uns dagegen viel leiser und unaufdringlicher und zeigt uns über unser Bauchgefühl, unsere innere Stimme, unseren Gefühlszustand und auf andere Weise, ob wir gerade vom Weg abgekommen sind oder noch unserem höheren Weg folgen. Es zeigt uns häufig unterschiedliche Möglichkeiten für unsere nächsten Schritte. Es führt uns stets in die Richtung der Selbstentfaltung und Lebensfreude, wenn wir dazu die Erlaubnis geben. Das Höhere Selbst zwängt uns nie eine Möglichkeit als die einzig gangbare Lösung auf, sondern eröffnet immer Räume von innerer Leichtigkeit und Wahlmöglichkeiten, die mit dem Erleben von mehr innerer Freiheit, Offenheit und größerer Gelassenheit verbunden sind.

Lesen Sie imzweiten Teil, wie es uns gelingt, ganz wir selbst zu sein.