Vergebung heißt Loslassen
oder
die Kunst Dein bestmögliches Leben zu erschaffen

Was für uns eher unbedeutend ist, vergeben wir meist leicht und mühelos oder es kommt erst gar nicht der Gedanke auf, dass es etwas zu verzeihen gibt.

Die Worte und Taten oder auch die Unterlassungen der anderen, die wir als für uns bedeutsam ansehen, durch die wir verletzt, manchmal regelrecht verwundet wurden, vergessen wir nicht leicht und es fällt uns oft schwer sie zu vergeben. Menschen, die uns am leichtesten verletzen können, sind meist die, die uns am nächsten stehen, wie Eltern, Geschwister, Partner und enge Freunde oder solche, denen wir besondere Bedeutung verliehen haben, wie Vorgesetzte und Lehrer.

Warum ist es machchmal so schwierig, einem anderen zu vergeben?

Warum erinnern wir uns, in machen Fällen sogar noch Jahre später, an unschöne Begebenheiten, verletzende Worte, Ungerechtigkeiten und verantwortungsloses Verhalten?

Es liegt doch scheinbar kein Wert für uns darin, den Schmerz oder Groll immer wieder hervor zu holen.

Wenn es hier einen Wert gibt, dann den, unsere individuelle Lektion des Vergebens zu lernen. Denn es zeigt sich, dass wir hier etwas nicht loslassen konnten oder es vielleicht auch noch gar nicht ernsthaft versucht haben.

Aber warum sollten wir überhaupt vergeben? Möglicherweise sogar noch solche Dinge, die viele als unverzeihlich ansehen, wie Gewalt, schwerwiegende Unwahrheiten oder andere Angriffe auf unsere Menschenwürde.

Die Antwort ist klar: Wir vergeben dem anderen, vielleicht weil wir ihn verstehen und erkennen, dass er Vergebung verdient, aber in erster Linie vergeben wir, um innerlich wirklich frei und unbeschwert zu sein, um die Verletzung und die Vergangenheit vollends loslassen zu können. Damit wird offenbar, dass Vergebung in unserem ureigenen Interesse ist. Der andere mag unsere Vergebung wünschen oder auch nicht. Und sie mag auch für den anderen von Bedeutung sein. Vergebung zu empfangen, kann wertvoll sein. Wirklich frei von der Vergangenheit ist nur der, der anderen und natürlich auch sich selbst vergibt.

Wem es nach einigen Anstrengungen schon einmal gelungen ist, eine persönlich als größere Verletzung empfundene Begebenheit zu vergeben, der kennt den Unterschied. Vor der Vergebung ist ein Teil unserer vitalen Kräfte gebunden. Nach der Vergebung ist dieser Teil frei, gehört wieder ganz uns und kann genutzt werden, um uns unser Leben in der Gegenwart zu erschaffen – freudvoll und lebendig!

Je größer die nicht vergebene Verletzung, umso mehr vitale Kräfte werden gebunden, um sie in uns festzuhalten. Und umso mehr Lebendigkeit fehlt uns für die Erschaffung unseres bestmöglichen Lebens in Fülle und Freude. Manchmal fehlt uns dadurch auch grundsätzlich das Vertrauen in andere und das Leben, weil wir verinnerlicht haben, dass man stets vorsichtig und auf der Hut sein muss. Unser Körper spiegelt das möglicherweise sogar deutlich wieder, z.B. durch ständig verspannte Muskeln und Rückenschmerzen.

Ein gängiger Irrtum ist der, dass, wenn wir etwas vergeben, wir damit die Tat oder das Verhalten des anderen gutheißen. Das ist aber nicht gemeint. Wir vergeben aus der freien Entscheidung heraus, um Ballast abzuwerfen und innerlich frei zu sein. Wir müssen nicht unser Wertesystem oder unser Unterscheidungsvermögen mit über Bord werfen. Was aus unserer Sicht Ungerechtes oder Liebloses geschehen ist, wird durch das Vergeben nicht plötzlich richtig. Wir vergeben der Person, was sie getan hat, aber heißen die Handlung dadurch nicht gut.

Wenn wir den Wert des Vergebens tiefer erkannt haben, dann wollen wir vergeben. Dann wissen wir dass es eine Notwendigkeit ist, wenn wir unserer inneren Vision für unseren Weg folgen wollen, wenn wir unsere ganze Lebendigkeit spüren möchten.

Die Erkenntnis, dass Vergebung uns selber heilt und die bedingungslose Bereitschaft zu vergeben, reichen aber für gewöhnlich nicht aus, denn meistens geschieht das Vergeben als Prozess und erfordert nicht selten etwas 'innere Arbeit'.

Lesen Sie dazu im im zweiten Teil eine Anleitung in sieben Schritten.