Vergebung heißt Loslassen
oder
In sieben Schritten zur Vergebung

Die folgende Anleitung beruht auf vielen unterschiedlichen Ansätzen und Texten, die ich zu dem Thema gelesen habe und auf meiner eigenen Erfahrung, was für mich und andere funktioniert.

Falls Sie massiv von vergangenen Ereignissen belastet sein sollten, ist es ratsam sich profesionelle Hilfe zu suchen. Die folgenden Schritte können dann mit Hilfe beziehungsweise zusätzlich zu anderen Maßnahmen angewandt werden.

1. Schritt

Der erste und tatsächlich allerwichtigste Schritt auf dem Weg zur vollständigen (oder zumindest sehr weitgehenden) Vergebung ist der feste Entschluss zu vergeben, der aus der Einsicht resultiert, dass dies der beste Weg für uns selber ist. Dies ist wohl die nachhaltigste und vielleicht auch beste Motivation zu vergeben. Wir tun es für uns selbst - damit wir frei sind und nicht mehr von belastenden Gedanken und Gefühlen, die der Vergangenheit angehören, gestört oder vielleicht sogar gequält werden. Um unseren Entschluss zu bekräftigen können wir diesen aufschreiben, einem guten Freund mitteilen oder uns auf andere Weise selbst verpflichten unsere Absicht zu verwirklichen.

2. Schritt

Wir betrachten das, was geschehen ist nüchtern und ehrlich. Wir schauen uns aus einer möglichst neutralen Position an, was tatsächlich gesagt oder getan wurde, ohne die Bedeutung der Worte oder Taten für uns über- oder unter zu bewerten. Und wir schauen uns ebenfalls nüchtern und so neutral wie möglich an, welchen Anteil an der Entstehung oder dem Verlauf der Situation wir hatten. Haben wir, vielleicht auch schon lange vor dem Ereignis, zu der Situation beigetragen? Hier geht es nicht darum, die "Schuld" nun bei uns selbst zu suchen, sondern den Gesamtzusammenhang deutlicher zu sehen und Verantwortung für unser eigenes Verhalten zu übernehmen.

3. Schritt

Wir werden uns klar darüber, warum uns das Geschehene belastet, warum es uns schwerfällt es loszulassen. Was glauben wir über das vergangene Ereignis? Was glauben wir, sagt es über uns, die andere Person oder die Beziehung zwischen uns aus? Welche Bedeutung hat dies heute unserer Meinung nach noch? Hier finden sich häufig sehr viele emotionale Glaubenssätze, die das Geschehene in einer sehr engen Weise interpretieren und uns in keiner Weise helfen. Es lohnt sich den Wahrheitsgehalt dieser Glaubenssätze zu hinterfragen, zum Beispiel: Was bedeutet es denn heute noch für mich, dass mir das passiert ist? Bin ich deswegen als Mensch weniger wert? Haftet mir deshalb irgendein Makel an? Existiert meine Verletzung tatsächlich noch - außer in meinen wiederkehrenden Gedanken über die Vergangenheit?

Was sagt das Geschehene über die andere Person aus? Es geschieht häufig und ist auch recht einfach das Verhalten der anderen Person auf eine bestimmte Weise zu interpretieren, zum Beispiel: Sie war immer schon egoistisch. Er hat das mit voller Absicht getan. Sie ist bösartig etc. Tatsächlich schädigen uns diese Gedanken viel mehr als wir glauben. Denn auch sie dienen dazu, die Verletzung aufrecht zu erhalten. Diese Gedanken sind in ihrer Absolutheit weder wahr noch hilfreich und selbst wenn Wahres daran ist, kommen wir nicht weiter, wenn wir an ihnen festhalten.

4. Schritt

Diesen Schritt können wir nur durchführen, wenn uns die vorangegangen Schritte schon relativ gut gelungen sind.

Wir erlauben uns, aber diesmal ohne dieselben negativen Gedanken innerlich dauernd zu wiederholen, die Gefühle, die für uns durch die Situation ausgelöst wurden, zu fühlen und gehen dabei liebevoll, wertschätzend und liebevoll mit uns selbst um. Wir erlauben uns traurig zu sein, zu weinen, wenn es sich so richtig anfühlt und lassen zum Abschluss dann die Traurigkeit,das Bedauern oder was wir sonst gefühlt haben, gezielt los.

Falls an dieser Stelle nach wie vor allem Wut oder Widerstand zu spüren ist, sollten Schritt 2 und 3 wiederholt und gründlicher in Bezug auf die Glaubenssätze durchgeführt werden, an denen wir noch festhängen.

Natürlich ist es recht wahrscheinlich, dass diese Gefühle noch häufiger wiederkehren. Das gehört zum Prozess und sollte nicht unterdrückt werden. Wichtig ist, den Gefühlen Raum zu geben und sie dann gezielt loszulassen, indem wir uns bewusst in die Gegenwart zurückbringen und mit allen Sinnen das Leben im Hier und Jetzt spüren.

5. Schritt

Wir sehen das, was wir durch die Situation gelernt haben und vielleicht sogar, wie sich unser Leben durch die Erfahrung und das anschließende Loslassen der Vergangenheit positiv verändert hat. Vielleicht gelingt es uns auch, unseren verborgenen Anteil an der Erfahrung aufzuspüren. Nichts geschieht ohne Grund. Welchen Grund könnte es über die uns bisher bekannten Gründe hinaus geben, warum wir diese Situation erfahren haben? Welche Lernerfahrung war oder ist darin für uns enthalten? Welchen Grund könnte unser Höheres Selbst gehabt haben, uns in diese Erfahrung zu führen? Wenn wir den Weg bis hierhin gut gegangen sind, beginnen wir hier vielleicht bereits völlig neue Aspekte wahrzunehmen und unseren eigenen Anteil an der Erfahrung noch deutlicher zu erkennen. Wir sehen unsere individuelle Lektion des Vergebens mit immer größerer Klarheit.

6. Schritt

Wenn wir bis hierhin gekommen sind, können wir klarer erkennen, dass wir von der Vergangenheit völlig unbelastet sein können, weil wir unsere Fortschritte deutlich sehen. Wir sehen nun, dass es möglich ist, ganz frei von der Vergangenheit zu sein,um damit die für uns bestmögliche Zukunft zu erschaffen. Es wird uns nun vollkommen bewusst, dass wir die Entscheidung für unser eigenes glückliches Leben jeden Tag aufs Neue treffen können. Wir übernehmen für unser Glück ganz die Verantwortung, wenn wir uns entschließen auch die Reste alter Verletzungen loszulassen und diesen keinerlei Bedeutung mehr in der Gegenwart zu geben. Bei Bedarf können wir alle oder einige der vorherigen Schritte in nun passender Form nochmals anwenden, um die "Reste" belastender Gedanken und Gefühle loszulassen.

7. Schritt

Wir sind dankbar für die gesamte Lernerfahrung und die Möglichkeit als Mensch an dieser Erfahrung gewachsen zu sein. Es ist nun möglich wertzuschätzen, welche Qualitäten, wie zum Beispiel Geduld, Mitgefühl, tieferes Verständnis, wir durch den Prozess des Vergebens entwickelt haben. Wir sind gefestigter in unserer Ausrichtung hin auf ein glückliches Leben in innerer Freiheit.